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Gezielt geschwächter Euro mit Konfliktpotenzial

Für die Euro-Zone bringt der schwache Euro durchaus Vorteile, nicht nur in Deutschland boomt der Export. Allerdings wird dies im internationalen Maßstab mit großer Skepsis gesehen.

EZB schickte Euro auf Talfahrt

Anfang Mai äußerte sich Mario Draghi auf einer Pressekonferenz in Brüssel zur Gemeinschaftswährung, die er damals deutlich überbewertet sah. Angesichts der schon damals schwachen Inflation waren seine Sorgen nachvollziehbar, die Händler reagierten prompt mit Verkäufen. Seither gab der Euro um rund acht Prozent gegenüber dem US-Dollar nach, im Verhältnis zum chinesischen Yuan sogar um rund zehn Prozent, sodass der durchschnittliche Verlust gegenüber anderen wichtigen Währungen sich auf sechs Prozent beläuft. Die Folge: Sogar Spanien und Griechenland verzeichnen außenwirtschaftliche Überschüsse. Die Strategie funktionierte bereits in den 90-er Jahren, allerdings haben sich die Vorzeichen deutlich verändert.

Konflikte vorprogrammiert

Was für kleinere Volkswirtschaften als probates Mittel galt, kann die gewaltige Eurozone nicht für sich in Anspruch nehmen - ohne mit anderen Volkswirtschaften in Interessenskonflikte zu geraten. Niedrige Wechselkurse befeuern den Export, vor allem Deutschland steht schon seit geraumer Zeit im Fokus der Kritik von Seiten des IWF und der USA. Diese hatten beispielsweise China mit einigen Sanktionen belegt, weil sie sich unfair behandelt fühlten. Nun dürften Deutschland sowie die gesamte EU die Exportrate nochmals steigern, was auf wenig Gegenliebe stoßen wird. Die Weltwirtschaft schwächelt, die großen Volkswirtschaften kämpfen mit Kredit- und Immobilienblasen, die Arbeitsplätze sind gefährdet. Es dürften also in naher Zukunft wieder deutliche Aufforderungen formuliert werden, die Exportüberschüsse vor allem im Deutschland abzubauen - oder einen Handelskrieg zu riskieren.